
Mein Leben auf der schwarzen Couch lässt sich in fünf Abschnitte teilen.
1. Abschnitt:
Wir lernten uns vor einigen Jahren in der Moserhofgasse in Graz kennen, als Mike und ich versprengte Kurzurlaube bei Martin und Stefan zu machen pflegten. Es muss so ab dem Jahr 2001 gewesen sein... Dort stand sie an der Wand - was mir ihre Lieblingsbeschäftigung schien - und ergab sich völlig allen möglichen und unmöglichen Nutzungen. Große und kleine Menschen (der kleine Leon war es damals) ließen sich von ihr entspannen. Eine Hymne, die auch manchmal interpretiert wurden, blieb ihr verwehrt. Das unscheinbare Dasein als einfaches Möbelstück ließ kaum jemanden bemerken, welch große Leistung sie als Abstellraum von Hinterteilen, Jacken, Gitarren, Zigaretten, Weinspritzern, Staub und vieles mehr tagtäglich vollbrachte.
2. Abschnitt:
Eines Tages hatte sie aber genug vom Leben im Studentenheim. Sie wollte endlich beginnen eigenverantwortlich zu leben und nahm sich eine Wohnung in der Volksgartenstraße 3. Unweigerlich mussten Martin und Stefan ihr folgen, wie sollte man auch richtig abhängen ohne schwarze Couch? Dort begab sich SC auf eine neue Beziehungsebene. Sie versuchte es nun gleich mit vier Partnern zugleich. Auch mein gemeinsames Leben mit ihr nahm hier Ihren Anfang. Was haben wir dort im großen Wohnraum an der Wand nicht alles erlebt... Griechenland wurde Europameister, Italien wurde Weltmeister (Österreich auch!!), Menschenmaßen, bis zu sechs Mitbewohner teilten sich SC...
Es wurde gekocht, gelacht, gesoffen und geraucht. Manchmal konnte man sich Tage, ja Wochen nicht von ihr trennen. SC erlebte damals wahrlich viel, musste auch viel einstecken. Aber sie hielt sich wacker.
Die Jahre vergingen, auch an SC machte das Alter nicht halt - doch hielt sie allen anstürmen wacker stand. Bis es wieder Zeit für Veränderung war...
3. Abschnitt:
Genug von all dem Lotterleben beschloss sie das Tempo zu zügeln und etwas ruhiger weiter zu leben. Nicht weit entfernt allerdings, in der Kindermanngasse 20, schlug sie für ein Jahr ihren Sitzplatz auf. In meinem Zimmer nun, manchmal als Bettersatz wenn man einfach zu faul war von SC aufzustehen, manchmal konnte man einfach alles auf ihr abladen. Modelle, Skizzen, Fahrräder, Bücher, und und und...Dieser kurze Abschnitt war für SC der Entschleunigung gewidmet...
4. Abschnitt:
Nun startete SC ihre bisher größte Reise: Von der Großstadt gings raus aufs Land. Kühwegboden 38 hieß der nächste Teil in ihrem Leben. Hier fristete sie allerdings ein Schattendasein, erstmals widerfuhr ihr Konkurrenz im eigenen Haus. Leider hatte SC sich in ein gemachtes Nest gesellt und wurde in die zweite Reihe verbannt. Allerdings hatte SC nun Zeit, sich auf die nächste Ära vorzubereiten - die heute Abend begann:
5. Abschnitt:
Heute, am 30.09.2010, endete mein gemeinsames Leben mit SC. Als Reinke und Herti vorfuhren, um sie an den Ort ihrer schönsten Tage zurück zu bringen. Wie ein zweiter Frühling soll es für sie werden, wenn sie - diesmal in der Lazarettgasse - neue, junge Menschen kennenlernen wird. Das Studentenleben erneut von vorne beginnend genießen. Ich werde sie oft besuchen - und mich mit ihr gemeinsam auf ein kaltes Bier am Abend freuen. Ich werde sie vermissen - die schwarze Couch aus Leder.
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